Insgesamt werden die körperlichen Prozesse durch Ausdauersport effizienter sowie leistungsfähiger und tragen zur Prävention im Bereich der Herz-Kreislauferkrankungen bei. Im Folgenden werden einige Verbesserungen der körperlichen Abläufe beschrieben. Bei regelmäßig durchgeführtem Ausdauersport steigt die oxidative Kapazität. Hierfür sind die Steigerung der Kapillardichte und die Volumenvermehrung der Mitochondrien verantwortlich. Durch Ausdauersport kommt es zu einem effektiveren Zellstoffwechsel. Für eine gleiche Leistung nimmt der Sauerstoffverbrauch ab. Des Weiteren bringt ein kontinuierliches Ausdauertraining eine Ökonomisierung der Herzarbeit mit sich. Anpassungsprozesse am Herzen führen zu einer Vergrößerung des Herzmuskels, zur Erhöhung des Kammervolumens, zu einer homogenen Verstärkung der Herzwand und zu einer Steigerung des Schlagvolumens. Der Sauerstoffbedarf wird durch den gekräftigten Herzmuskel, der mit geringerer Schlaganzahl das erforderliche Blutvolumen durch den Körper pumpt, um 15 Prozent gemindert. (Mathias, 2006, S. 54). Durch den durch Ausdauerbelastungen erzeugten hohen Blutdruck kommt es zu Kapillarneubildungen, zur Öffnung von Ruhekapillaren und zur Ausbildung von Umgehungskreisläufen (Kollateralen). Das Blutvolumen wird besser verteilt und der zur Verfügung stehende Sauerstoff besser ausgenutzt. Die Gefäße werden elastischer und größer in ihrem Querschnitt, dies geht mit einem gesteigerten lokalen Blutfluss einher. Dies führt zu einer Blutdrucksenkung, die durch die Abnahme der Herzfrequenz und den nach unten regulierenden Einfluss des Ausdauertrainings für das sympathische Nervensystem mit einer Verschiebung zum Vagotonus (Erregungszustand des vegetativen Nervensystems) einhergeht. Im Durchschnitt liegt die Verringerung des Blutdrucks (systolisch/diastolisch) bei 7/6 mmHg, im Einzelfall sogar bei bis zu 20/11 mmHg. (Mathias, 2006, S. 56). Bei regelmäßiger Ausdauerbelastung steigt das Blutvolumen um ein bis zwei Liter. Ferner nimmt die Fließgeschwindigkeit des Blutes zu, da der Prozess zur Blutgerinnung durch Abnahme des Fibrinogenspiegels gemindert wird. Eine hohe Fibrinogen-Konzentration gilt als Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Es wird gesagt, dass der Zusammenschluss von Gerinnungsplätzchen abnimmt und die für die Auflösung wichtige Plasminogenkonzentration ansteigt. Die Sauerstofftransportkapazität und Thermoregulation verbessern sich ebenfalls. (Mathias, 2006, S. 5657)Abwechselnder Druck und Entlastung der Gelenke regt den Knorpelstoffwechsel an. Durch Training (z.B. Lauftraining) werden die Bindegewebestrukturen (Bänder, Sehnen und Kapseln) durch Querschnittsvergrößerungen und Zunahme der Zugfestigkeit der Fibrillen widerstandfähiger.
Eine Zunahme der Knochenmasse und eine gestärkte Muskulatur stabilisieren den Bewegungsapparat. Somit ermüdet dieser nicht so schnell. (Mathias, 2006, S. 5657). Auch die Gehirndurchblutung wird bei moderaten körperlichen Aktivitäten um etwa 30 Prozent gesteigert. Hohe körperliche Belastungen dienen auch dem Erhalt der Nervenzellen und dem neuen Aufbau von Verknüpfungen durch Synapsen. Somit fördert Bewegung die Lern- und Gedächtnisleistungen. Ferner trägt körperliche Aktivität zum Wohlbefinden bei und kann aufgestaute Aggressionen abbauen oder zur allgemeinen Stressresistenz beitragen. (Mathias, 2006, S. 5657).
Bewegungsmangel
Ausdauersport hat viele positive Effekte auf den Gesundheitszustand. Der Ausdauersport sollte jedoch regelmäßig und systematisch durchgeführt werden. (Mathias, 2006, S.54) Als Einzelfaktor ist der Bewegungsmangel schwer zu bewerten, da er häufig mit zusätzlichen Risikofaktoren kombiniert ist. (Weineck, 2010, S. 645) Der Bewegungsmangel ist ein Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen. Diese sind HerzKreislauf-Erkrankungen (Koronare Herzerkrankung oder Bluthochdruck), Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus), Übergewicht (Fettsucht), degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates oder psychovegetative Regulationsstörungen.

Blutwerte, Gesundheit und Bewegung

Cholesterin
Erhöhte Blutfettwerte sind einer der Hauptrisikofaktoren für Arteriosklerose und degenerative Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bezüglich der Bildung von degenerativen Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommt der Hypercholesterinämie eine besondere Bedeutung zu. Viele Untersuchungen zeigen, dass erhöhte Cholesterinwerte durch chronischen Bewegungsmangel, Übergewicht und Fehlernährung bereits im Kindesalter begünstigt werden. (Weineck, 2010, S.666).
Zur Einschätzung des Cholesterinwertes ist nicht nur die Gesamthöhe, sondern auch die Zusammensetzung von wichtiger Bedeutung. Es wird in HDL-Cholesterin (High Density Lipoprotein) und LDL (Low Density Lipoprotein) unterteilt. Das LDL-Cholesterin weist nochmals verschiedene Unterteilungsformen auf. Diese sind LDL1, LDL2 und LDL3. LDL3 stellt dabei die kleinste und dichteste Subgruppe. Haben Personen einen einseitig erhöhten LDL3-Wert, so weisen sie ein dreifach erhöhtes Herzinfarktrisiko auf. Allgemein steht ein hoher HDL-Spiegel als Gefäßschutzfaktor und ein hoher LDL-Wert als Gefäßrisiko. (Weineck, 2010, S. 666667). Durch Training, insbesondere durch Ausdauertraining kommt es zum Anstieg des auf das Gefäß positiv wirkenden HDLs. Ferner ist für die Entwicklung einer Arteriosklerose das Verhältnis LDL zu HDL von Bedeutung, da das LDL eine Arteriosklerose stark beeinflusst und das HDL die Gefäße schützt. Das cholesterinreiche LDL kann leicht in die Gefäßwand eindringen und dort Fett ablagern. Das HDL hingegen mobilisiert das abgelagerte Cholesterin wieder und transportiert es zur Leber. Des Weitern hemmt das HDL die Ablagerung von LDL in der Gefäßwand. Je nach Training und Ausprägung der Stoffwechselstörung kann mit Hilfe von körperlicher Aktivität eine Steigerung das HDL zwischen 4 und 29 % erreicht werden. (Weineck, 2010, S. 667669).
Bluthochdruck
Bluthochdruck wird auch als Hypertonie bezeichnet und ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung von Arteriosklerose. Des Weiteren ist der Bluthochdruck eine mögliche Folgeerkrankung von Arteriosklerose. Ferner ist die Hypertonie die häufigste Vorerkrankung für die Entwicklung degenerativer Herz-Kreislauf-Erkrankungen bzw. zerebrovaskulärer Erkrankungen. Die Hypertonie wird an Hand von systolischen und diastolischen Blutdruckwerten gemessen. Nach WHO-Empfehlungen sind Werte bis zu 140 mmHg systolisch und 90 mmHg diastolisch als normal anzusehen, wobei Werte zwischen 140/90 und 160/95 im Grenzbereich liegen und Blutdruckwerte mit über 160/95 mm Hg hypertonisch sind. (Weineck, 2010, S. 669)
Nach Abschätzung des Risikos sollten Menschen mit Hypertonie ihre Blutdruckwerte auch medikamentös einstellen lassen. Jedoch als sehr wichtig gilt ein regelmäßiges, moderates bis intensives und mehrmals in der Woche durchgeführtes Ausdauertraining. Zu den Risikofaktoren einer Hypertonie zählt die genetische Veranlagung, erhöhter Kochsalzverbrauch, Zigarettenrauch, Stress, Übergewicht, Alkoholmissbrauch und Bewegungsmangel. (Weineck, 2010, S. 669).
Blutzucker Diabetes mellitus
Wenn auf Dauer der Blutzuckerspiegel erhöht ist, liegt ein Diabetes mellitus (auch als Zuckerkrankheit genannt) vor. Der Nüchtern-Blutzuckerspiegel, welcher unter 120 mg Prozent liegt, gilt laut WHO als normal. Wohingegen Blutzuckerspiegel, die über 140 mg Prozent liegen, laut WHO-Empfehlung, diabetisch einzuordnen sind. Der Diabetes wird in zwei Typen unterschieden: Diabetes Typ I und Typ II. Beim Diabetes Typ I tritt häufig eine Autoimmunkrankheit auf, wobei die Immunabwehr nicht richtig funktioniert und körpereigene Zellen angegriffen werden. Hierdurch kommt es zu einer Zerstörung der Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Folglich kann Insulin gar nicht oder nur unzureichend gebildet werden. Lebenslang muss dem Körper von außen, durch tägliches mehrmaliges Spritzen, Insulin zugeführt werden, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren. (Weineck, 2010, S. 684). Der Diabetes Typ I lässt sich wohl kaum durch körperliche Aktivität beeinflussen. Anders als beim Diabetes Typ I wird beim Typ II in der Bauchspeicheldrüse genügend Insulin produziert, jedoch ist die Empfindlichkeit für die Insulinwirkung innerhalb der Zellen zu gering.
Beim Typ II Diabetes liegt eine erbliche Disposition bzw. Veranlagung vor, die durch verschieden Faktoren in Erscheinung treten kann. Hauptfaktoren sind hierfür Fehlernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel. Übergewicht führt zu einer schrittweisen Überforderung der Bauchspeicheldrüse. (Weineck, 2010, S. 684) Bewegungsmangel senkt die Empfindlichkeit der Zellen für Insulin herab. Der Stoffwechsel wird zunehmend träger, da auf Grund von zu wenig körperlicher Aktivität, die Verbrennungsleistung der Zellen weniger beansprucht wird. Die Bedeutsamkeit der Diabetes-Profilaxe durch Bewegung, wird durch Untersuchungen deutlich untermauert, die zeigen, dass normal- und übergewichtige Menschen mit geringer körperlicher Bewegung höhere Glukose- und Insulinspiegel haben als körperlich aktive.
Wohingegen körperlich aktive übergewichtige bzw. adipöse Menschen ähnliche Glukose- und Insulinwerte aufweisen wie inaktive normalgewichtige Personen. (Weineck, 2010, S. 684).
Durch Untersuchungen an genetisch vorbelasteten Nachkommen konnte belegt werden, dass die Störung der Insulinrezeptoren durch kontinuierliche Muskelarbeit schnell reversibel ist. Bereits nach 6-wöchigem intensivem Training des Zwillingswadenmuskels (Musculus gastrocnemius), konnte eine Verdopplung der zuerst verminderten Glykogensyntheserate festgestellt werden.
Ferner wird die Wirkung von Ausdauertraining als Diabetesprävention in epidemiologischen Studien deutlich. Diese zeigen, dass der Diabetes Typ II bei Nichtsportlern achtmal häufiger zu finden ist, als bei Personen, welche sich regelmäßig mindestens einmal pro Woche körperlich belasten. (Mathias, 2006, S. 100).

Von Prof. Dr. Jens Ebing 05.06.2018
DEUTSCHE FITNESS AKADEMIE
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